Zu meiner pädgogischen Arbeit

In der Arbeit mit den Tageskindern liegen mir verschiedene Aspekte besonders am Herzen. Diese möchte ich hier gerne etwas genauer erläutern:

Mein Ziel ist es die Kinder durch meinen pädagogischen Alltag ein Stück zu begleiten und dazu beizutragen, dass jedes einzelne Kind sich zu einem freien Menschen entwickelt, der seinen individuellen Platz in der Welt finden kann. Meine Aufgabe ist es hierbei eine vertraute Bindung zu dem Kind aufzubauen, sodass es sich sicher fühlt und mit allen Sinnen die Umgebung erkunden kann. Ich schaffe einen Raum mit verschiedenen, altersgemäßen Materialien die dem Kind zahlreiche Lern- und Übungsfelder ermöglichen und ihrer Phantasie freien Lauf lassen.

In meiner Arbeit und in meinem Familiebleben, orientiere ich mich an der Waldorfpädagogik. Die Waldorfpädagogik ist mir wichtig und darum fällt es mir leicht mich mit ihr zu verbinden.

In den ersten sieben Lebensjahren leben Kinder mit der unbewussten Grundstimmung: Alles was um mich herum ist, ist gut. Und weil es gut ist, lebe ich die Welt mit. Und diese Grundstimmung macht, dass die Kinder in diesem Alter einfach alles nachahmen was sie vorgelebt bekommen und was sie erleben. Kinder in den ersten sieben Lebensjahren lernen durch Vorbild und Nachahmung. Dabei orientieren die Kinder sich am Erwachsenen Vorbild. Meine Erscheinung als Tagespflegeperson wirkt in allem was ich tue, sage und fühle auf die Kinder. Es ist keinem möglich ein perfektes Vorbild zu sein. Für das Kind ist es jedoch wichtig, dass es trotz allem eine Grundhaltung von Geborgenheit spürt, dass ich als Tagespflegeperson seine Persönlichkeit anerkenne und ihm eine Atmosphäre bereite, die es braucht, um sich in Freiheit entfalten zu können. Erziehung bedeutet zuallererst auch Selbsterziehung des Erwachsenen. Dies habe ich im Bewusstsein und nehme immer wieder die Möglichkeit wahr, mich selbst und meine Erziehungsmaßnahmen zu überdenken.

Dabei können die Kinder manchmal helfen, indem sie mein eigenes Verhalten spiegeln. Kleine Kinder halten sich am liebsten dort auf, wo sie bei einer Tätigkeit zuschauen können. Deswegen gestalte ich meine täglichen Aufgaben im Haushalt so, dass die Kinder immer mit dabei sein können und wenn es irgendwie geht, an meiner Arbeit teilnehmen können. Durch das genaue Beobachten der Kinder und die Wiederholung meiner Tätigkeiten werden die alltäglichen Aufgaben und Tätigkeiten zu einem unglaublichen Lernfeld. Im freien Spiel haben die Kinder ganz nach ihren Bedürfnissen die Möglichkeit meine alltäglichen Tätigkeiten wie beispielsweise Kochen spielerisch nachzuvollziehen. Das Kind braucht den Menschen in seiner Tätigkeit, als Schule des Lebens. Das Kind will den Erwachsenen aber auch mitnehmen in seine Welt der kleinen Wunder. Dabei ist es nötig, dass ich mich in das Wesen des Kindes einfühlen kann und mit dem Kind zusammen Freude an den kleinen Dingen des Alltags habe. Kinder sind in der Lage das Hier und Jetzt anzunehmen und zu ergreifen. Gerade dies schätze ich sehr an Kindern und freue mich sie dabei zu begleiten. Nicht nur das gemeinsame Staunen ist mir in der Arbeit mit Kindern wichtig, auch das Staunen über all das, was das Kind lernt und schafft, darf nicht fehlen. In den ersten drei Lebensjahren machen Kinder so schnelle und viele Entwicklungen und Fortschritte, dass das Stauen quasi von alleine kommt. Immer wieder gibt es im Alltag Situationen wo die Kinder positiv gestärkt, gelobt oder bestaunt werden können. Dies tut den Kindern in gesundem Maß gut und das Kind fühlt sich dadurch in seiner Persönlichkeit anerkannt. Es tut dem Kind gut, wenn der Erwachsene sein Schaffen aufmerksam begleitet.

Also dadurch, dass ich als Erwachsener Mensch den Kindern einen sicheren, liebevollen, geborgenen Raum biete, fangen die Kinder an sich zu entfalten und fangen an zu spielen und nachzuahmen. Je sicherer die Kinder sich fühlen, desto freier bewegen sie sich. Natürlich dürfen sie jeder Zeit zu mir kommen und sich die Nähe holen die sie brauchen, ganz individuell.

In meinen Räumlichkeiten gibt es Spielmaterial was der Phantasie freien Lauf lässt und auf verschiedene Weise bespielt werden kann.

Kinder spielen je nach Material und Alter unterschiedlich.

Das kleine Einjährige hält sich sehr viel beim Erwachsenen auf und spielt mit allem, was es findet. Vor allem will es mit den Sachen spielen, die der Erwachsene gerade benutzt. Das macht die eigene Tätigkeit manchmal zur Herausforderung und es würde ohne das Kind sicher viel schneller gehen. Aber es sollte nicht vergessen werden, was für eine kostbare Erziehungsarbeit gerade in diesen Momenten des Alltags geleistet wird. Die Sachen des Alltags wie Töpfe, Schüsseln und Löffel machen den Kleinsten eine große Freude.

 

Dann mit der Zeit wird das Spiel immer selbständiger. Ich lege großen Wert auf selbstständiges Spiel. Ich selbst bespiele die Kinder nur in der Eingewöhnungszeit um die Beziehung mit dem Kind intensiv aufzubauen. Die Kinder können immer bei mir sein und mit mir etwas tun, oder sie spielen frei im Raum. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt für die Entfaltung der Phantasie.

Ich werde hin und wieder eine Spielanregung geben, baue etwas auf, helfe den Kindern gerne da, wo sie Hilfe brauchen, und begebe mich einfühlsam in die Bilder des Gespielten. Ich begleite auch immer gerne das Spiel der Kinder mit passenden Liedern. Aber das Spielen selbst, überlasse ich den Kindern.

 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil in der Waldorfpädagogik ist der Rhythmus. Rhythmus und Wiederholung geben den Kindern Sicherheit und Vertrauen und sie fühlen sich durch die Gewohnheit sehr schnell wohl. In meiner Arbeit unterscheide ich zwischen Tagesablauf, Wochenrhythmus und Jahresrhythmus.

Der Tagesablauf besteht aus täglich gleichen Abläufen die das Grundgerüst durch den Tag bilden.

Die Kinder kommen alle an. Dann gehen wir Hände waschen und versammeln uns im Wohnzimmer und machen ein gemeinsames Fingerspiel oder ein Lied mit passenden Bewegungen ( Reigen). Die Fingerspiele und Reigen passen zu den Jahreszeiten und wechseln alle 3 bis 4 Wochen. Danach gehen wir zum Frühstückstisch. Nach dem Essen wird gespielt. Ich räume den Frühstückstisch ab und koche das Mittagessen. Dann wird gemeinsam aufgeräumt, gewickelt und wir ziehen uns wetterfest an, um dann im Garten zu spielen.

Dann ist es Zeit für das Mittagessen. Entweder essen wir im Garten am Pflaumenbaum oder Drinnen in der Küche. Nachdem alle eine frische Windel haben ist es Zeit für den Mittagsschlaf. Nach dem Schlafen gibt es eine Kleinigkeit zum Knabbern und alle Kinder werden abgeholt.

In diesem Tagesablauf gibt es trotzdem Freiraum für Besonderheiten. Da die Tageskinder mich durch meinen eigenen Familienalltag begleiten, stehen immer wieder unterschiedliche Tätigkeiten an. Dazu gehören Einkaufen gehen, Kuchen backen, Ausflüge in die Stadt, Gartenarbeit, Erledigungen in Schule und im Kindergarten. Immer wieder erledige ich auch Dinge, die wichtig für meinen Familienalltag sind. Dabei halte ich aber trotzdem das Grundgerüst unseres Tagesablaufs ein. Erfahrungsgemäß begleiten die Kinder mich immer mit Freude und Interesse.

Ich nenne es aber „Freiraum für Besonderheiten“, da der Tag meistens bei mir zu Hause in der Wohnung und im Garten stattfindet.

Dabei ist mir wichtig, dass wir bei Wind und Wetter raus gehen, sei denn es ist gefährliches Unwetter.

Der Wochenrhythmus ist bei mir vor allem an die Mahlzeiten gekoppelt.

Montag: Milchreis

Dienstag: Brot

Mittwoch: Hirsebrei

Donnerstag: Brot

Freitag: Haferbrei

Der Jahresrhythmus liegt mir sehr am Herzen. Durch das bewusste Erleben der Jahreszeiten und der Jahresfeste werden auch die dunklen Tage des Jahres schöner. Unser Jahreszeitentisch ist mit farblich angepassten Tüchern, Naturmaterialien und Figuren dekoriert. Immer wieder stelle ich schöne neue Sachen für meinen Jahreszeitentisch her. So hole ich uns die Jahreszeiten ein Stück weit ins Haus und sie werden umso bewusster erlebt. Es ist eine Freude für Groß und Klein und der Sinn für Ästhetik wird automatisch geschult. Meine Lieder, Fingerspiele und kleine Reigen passe ich immer der Jahreszeit an. Die Bücher die ich den Kindern zur Verfügung stelle, sind auch passend. Jahresfeste feiere ich in meiner Familie auch und werde meine Tageskinder selbstverständlich teilhaben lassen. Ostern, Michaeli, Sankt Martin, Weihnachten und die heiligen 3 Könige sind für mich dabei besonders wichtig.